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Wirbel um Büttgener Kriegerdenkmal

"Motiv spiegelt die Blut-und-Boden-Mentalität wider"

Für heftige Auseinandersetzungen sorgte jetzt im Schul- und Kulturausschuss ein Antrag der Grünen: Die wollten erreichen, dass am Kriegerdenkmal in Büttgen am Luisenplatz eine Informationstafel errichtet wird. Das Motiv, so die Antragstellerin, spiegele die Blut-und-Boden-Mentalität der damaligen Zeit wider. Das Denkmal bedürfe einer Erklärung, seine Entstehungsgeschichte müsse dargelegt werden. Mit dem Antrag konnten sich lediglich die SPD und einige Schulleiterinnen anfreunden.

Karl-Heinz Konzelmann nahm ihn nach hitziger Debatte zurück, behielt sich aber vor, einen neuen Antrag in abgeänderter Form zu stellen. Der in Büttgen lebende Kunsthistoriker hatte bereits einen erläuternden Text ausgearbeitet. Im Ausschuss stark umstritten: Seine Feststellung, das Ehrenmal stehe in Zusammenhang mit der Militärpropaganda der Nationalsozialisten. Die CDU wollte unter Hinweis auf die Kosten für eine solche Gedenktafel den Antrag ablehnen: "Wir müssen sparen, auch im kulturellen Bereich", gab Heinz Vogts (CDU) zu verstehen. Und er fügte hinzu: "Die Schützen sehen in dem Ehrenmal ein Mahnmal für die Verstorbenen der beiden Weltkriege." 

Ursula Vogt (SPD) signalisierte Sympathie für den Antrag. Das Kriegerdenkmal enthalte eine "eindeutige nationalsozialistische Aussage". "Auch wir sind der Meinung", so Ursula Vogt, "dass mit einer Infotafel eine Handreichung geboten werden sollte, die die Historie darlegt". Der Künstler habe "sich voll mit der Idee dieser Jahre identifiziert". Und: "Man sieht nur, was man weiß." Die SPD sei bereit, für diese Tafel Mittel im Haushalt zu veranschlagen. 

Norbert Drüeke (UWG) kündigte erregt eine "nicht zimperliche Stellungnahme" an und legte los: "Die Grünen sind wieder einmal Weltmeister im Nestbeschmutzen." Die Erbauer des Kriegerdenkmals, das seit 1984 unter Denkmalschutz steht, "huldigten nicht der Blut- und Boden-Mentalität". Der Luisenplatz sei wegen des Denkmals nie Aufmarschplatz der Nazis gewesen. Heute werde zum Auftakt des Büttger Schützenfestes dort den Opfern von Gewalt in aller Welt gedacht. Die von den Grünen gewünschte Gedenktafel bezeichnete Drüeke als "Pamphlet - vielleicht noch in Grün und mit Sonnenblumen - das diesen Ort entehren würde". 

Karl-Heinz Konzelmann hatte sich einen Moment lang offensichtlich nicht im Griff - wofür er sich später entschuldigte - und sagte: "Ich habe befürchtet, dass man über so etwas nicht vernünftig mit den Schützen reden kann." Dagmar Treger (CDU) meldete sich "als Frau und als 'Nicht-Schützin'" zu Wort: "Ein Denkmal braucht keine Tafel, die uns sagt, was wir zu denken haben". 

Elke Beyer (SPD) wandte ein: "Die Bildsprache stimmt mit der Intention, die wir heute damit verbinden, nicht überein." Während des Nationalsozialismus habe das politische System die Kunst für sich vereinnahmt. Ilse Vogel (FDP) regte an, einen Sponsor für eine Informationstafel zu suchen. Brigitte Hönscheid, Leiterin der Elisabeth-Selbert-Realschule, sprach sich für eine solche Informationstafel aus: "Das Mahnmal wird dadurch transparenter." 

Helmut Haas gab als Büttger Schütze folgendes zu verstehen: "Die bildliche Darstellung ist nicht von der NS-Ideologie geprägt." Karl-Heinz Konzelmann ruderte nach diesen äußerungen ein ganzes Stück zurück: Es genüge auch eine Tafel mit dem Hinweis, aus welcher Zeit das Mahnmal stamme. Seinen Antrag, der für so viel Wirbel gesorgt hatte, zog er zurück.

FAKTEN ZUM KRIEGERDENKMAL BÜTTGEN:

1927 wurde unter Vorsitz von Bürgermeister Grootens ein Ausschuss gegründet mit dem Ziel, ein Ehrenmal in Büttgen zu errichten. Ein Hinterbliebenenverein hatte die Idee dazu geliefert. 1932 wurde ein entsprechender Wettbewerb ausgeschrieben, den der Neusser Künstler Will Hall (1897 bis 1974) gewann. Die Umsetzung erfolgte unter Mitarbeit der Mosaikwerkstatt des Holzbüttger Künstlers Paul Loskill. Die Einweihung des Ehrenmals fand am 11. November 1934 statt. Im März 1945 musste es auf Anweisung der amerikanischen Truppen übermalt werden. Nachdem die Farbe durch den Regen abgewaschen war, verlangte die britische Militärregierung 1947, es mit einer Teerschicht zu überziehen. 1951 entfernten Schützenbrüder des Zuges "Jan van Werth" die Teerschicht. 32 Jahre später setzten Katharina Hall-Krieger, die Witwe des Künstlers, und Gabriele Jagmann das Denkmal in Stand.

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